Wetzlar, 30.05.2021, von Robin Neul

Bergungsgruppen mehrfach gefordert

Nach einer Eigentumssicherung in den frühen Morgenstunden musste ein einsturzgefährdetes Gebäude niedergelegt werden

Das Bauamt forderte den Baufachberater aufgrund eines eingesunkenen Dachstuhls an.

Die Bergungsgruppen des THW OV Wetzlar waren am 27. Mai 2021 nach einer Eigentumssicherung in den frühen Morgenstunden gleich ein zweites Mal gefordert – im Wetzlarer Stadtteil Münchholzhausen galt es ein Nebengebäude kontrolliert niederzulegen, um weitere Beschädigungen der umliegenden Gebäude zu verhindern.

Baufachberater im Einsatz

Nachdem sich Teile eines Nebengebäudes abgesenkt hatten, wurden, auf Anfrage des städtischen Bauamtes, zunächst der Fachberater und der Baufachberater alarmiert. An der Einsatzstelle wurde eine Scheune vorgefunden, deren Dachstuhl sich partiell geneigt und abgesenkt hatte. Die Gefahr eines Einsturzes und die Gefährdung der Bewohner*innen des angrenzenden Wohnhauses waren demnach nicht zu übersehen. Auch die genauere Betrachtung des Gebäudes durch den Baufachberater führte zu der Einschätzung, dass der vordere Gebäudeteil eine zu geringe Resttragfähigkeit aufwies.

 

Der Baufachberater im THW

Nach der vfdb-Richtlinie 03-01 besteht die Tätigkeit des Baufachberaters in der Beratung der örtlichen Einsatzleitung in allen bautechnischen Fragen. Im Einzelnen begutachten Baufachberater Gebäudestrukturen sowie deren Resttragfähigkeiten, überwachen diese sowie das Vorgehen der Einsatzkräfte. Dazu legen die Baufachberater Gefahrenbereiche und sogenannte „No-Go-Areas“ fest. Überdies beraten Baufachberater die Einsatzleitungen hinsichtlich des taktischen Vorgehens bei Ortungs-, Rettungs- und Abstützaufgaben. Insgesamt soll die Verbesserung der Sicherheit von Hilfskräften und Geschädigten im Einsatz bei gleichzeitiger Entlastung der Einsatzleitung erreicht werden. Wie weitläufig und vielfältig das Aufgabengebiet eines Baufachberaters sein kann, zeigen die Einstürze der Eishalle in Bad Reichenhall (2005) sowie des Kölner Stadtarchivs (2009), wo THW-Baufachberater die örtlichen Einsatzleitungen unterstützen.

 

Niederlegung zum Schutz angrenzender Bauwerke und Personen empfohlen 

Dem Bauamt und der örtlichen Einsatzleitung wurde in Folge der Einschätzung des Baufachberaters die Niederlegung der Scheune empfohlen. Das Bauamt beauftragte das Lohnunternehmen Sven Handke mit der Durchführung der Abbrucharbeiten. Die große Herausforderung bestand dabei darin eine geeignete Baumaschine in den Einsatz zu bringen, deren Aktionsradius mit den beengten Platzverhältnissen des Hofes in Einklang gebracht werden konnte. Weiterhin war viel Fingerspitzengefühl gefragt, da die Bebauung, wie für alte Ortskerne typisch, sehr dicht ist und daher eine Beschädigung der Nachbargebäude verhindert werden musste.

Niederlegung mit Auswirkungen

Bei der Niederlegung des vorderen Gebäudeteils mittels Bagger wurden sowohl durch den Baumaschinenführer, wie auch den Baufachberater Beschädigungen an der Mauer zum Nachbargrundstück festgestellt: Während der Niederlegung mussten mehrere Doppel-T-Träger entfernt werden, welche an der rückwärtigen Wand eingemauert waren. Im Zuge der Entfernung dieser Träger bildeten sich mehrere horizontale Risse sowie treppenförmige Risse. Nach genauerer Betrachtung der Wand wurde festgestellt, dass die Wand massiv einsturzgefährdet war. Dies hatte eine sofortige Unterbrechung der Niederlegungsarbeiten zur Folge. Ebenfalls wurden Sicherheitsbereiche im Trümmerschatten rund um die betroffene Mauer errichtet, sodass niemand durch einen plötzlichen  Umsturz gefährdet werden konnte.

Nachalarmierung der Bergungsgruppen und der Fachgruppe Elektroversorgung

Gegen 16 Uhr entschied sich das Bauamt die Bergungsgruppen des THW OV Wetzlar zur Sicherung der Nachbargebäude und der Niederlegung der beschädigten Mauer zu alarmieren. 17 Helferinnen und Helfer begaben sich daraufhin an die Einsatzstelle. Nach einer ersten Erkundung wurde zunächst ein Vordach, welches auf der Rückseite der instabilen Mauer befestigt war, mit einer Spindelstütze gesichert, bevor die Verschraubung gelöst wurde. Ebenfalls wurde die Hubarbeitsbühne der Fachgruppe Elektroversorgung in Stellung gebracht. Aus dem Arbeitskorb konnten weitere wichtige Erkundungsergebnisse hinsichtlich des Aufbaus der Mauern an der Grundstücksgrenze gewonnen werden.

Niederlegung der Mauer

Nachdem die Verschraubung des Vordaches auf dem Nachbargrundstück gelöst und die Glasflächen des Vordaches mit OSB-Platten gegen Beschädigungen durch Trümmer gesichert waren, wurde die Mauer kontrolliert abgetragen. Dabei wurde der Bagger durch einen Helfer im Arbeitskorb der Hubarbeitsbühne eingewiesen. Lediglich einige kleine Mauerreste mussten per Hand abgetragen werden.

Instabiler Dachstuhl

Eine weitere Herausforderung bestand darin den teilweise abgekippten Dachstuhl mitsamt der tragenden Fachwerkelemente niederzulegen. Da die Platzverhältnisse sehr beengt waren und ein weiterer Einsturz des Dachstuhls sowie der Fachwerkkonstruktion verhindert werden sollte, wurde sich gegen einen Einsatz des Baggers entschieden. Stattdessen wurde die noch vorhandene Gewölbedecke mit Bohlen ausgelegt, um eine bessere Verteilung der Kräfte zu erreichen. Ein Helfer wurde dann mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) am Bagger gesichert und durchtrennte mit der Motorkettensäge die Pfette und Streben des beschädigten Fachwerkelements. Schließlich konnte auch das instabile Wandelement kontrolliert niedergelegt werden.

Beräumung und Sicherungsarbeiten

Nach der finalen Begutachtung durch den technischen Berater Bau wurden die Trümmer im Hof durch den Bagger zusammengeschoben und der Zugang zur Haustür von Trümmern befreit. Auf dem betroffenen Nachbargrundstück wurden ebenfalls Trümmer beseitigt und die eingebaute Spindelstütze durch eine Holzstütze ersetzt. Ebenfalls wurde der Trümmerbereich auf beiden Grundstücken abgesperrt.

 

Einsatznummer:

5/2021

Eingesetzte Kräfte:

1/5/11/17

Eingesetzte Fahrzeuge:

MTW OV

MTW Zugtrupp 1. TZ + 2. TZ
GKW I (1. TZ)
MzKW mit Anhänger Hubarbeitsbühne
LKW 13 t WLF mit AB Holz

Aufgaben:

Niederlegen und Absichern von Gebäudeteilen

Einsatzdauer:

ca. 4 Stunden

Angefordert durch:

Bauamt der Stadt Wetzlar

Andere Einsatzkräfte

Bagger- und Lohnunternehmen Handke

https://bagger-und-lohnunternehmen-solms.branchenheld.de 


  • Das Bauamt forderte den Baufachberater aufgrund eines eingesunkenen Dachstuhls an.

  • Nachdem der erste Teil des Gebäudes abgetragen war, bildeten sich Risse in der Wand zum Nachbargrundstück.

  • Mit Hilfe eines Baggers konnte der Bauschutt leicht bewegt werden.

  • Die Niederlegung der Gebäudeteil erfolgte unter Beobachtung der Bergungshelfer.

  • Auf dem Nachbargrundstück wurde die Lage aus dem Arbeitskorb der Hubarbeitsbühne in Augenschein genommen.

  • Zur Niederlegung der instabilen Wandelemente mussten Pfetten und Streben mit der Motorsäge durchtrennt werden.

  • Regelmäßige Rücksprachen zwischen Helfern und Führungskräften sind wichtig - neue Erkenntnisse ermöglichen bessere Entscheidungen.

  • Der Baufachberater unterstützt die Bergungsgruppen mit seiner fachlichen Expertise hinsichtlich des taktischen Vorgehens.

  • Die Ortsdurchfahrt musste für die Dauer der Arbeiten gesperrt werden, der Verkehr wurde umgeleitet.

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